| Auf Biegen und Brechen |
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Immer wieder erlebe ich am Wasser, dass einige Angler ganz offensichtlich falsche Vorstellungen von der tatsächlichen Kraft unserer einheimischen Raubfische haben. Gerade was die Ruten angeht, wird da regelmäßig mit „Kanonen auf Spatzen geschossen“. Unterhalten Sie sich doch mal mit einem erfahrenen Guide, was der in Bezug auf mitgebrachtes Angelgerät seiner Kunden schon alles so erlebt hat. Ich selber habe Angler getroffen, die Pilkruten mit 300 Gramm Wurfgewicht als ideale Ausrüstung für ihre Hechtpirsch angesehen haben. Meine Bemerkung, ob das nicht etwas überdimensioniert sei wurde mit dem Spruch kommentiert: „Du weißt wohl nicht was hier für Klamotten rum schwimmen!“ Na ja.
Bei der Auswahl der Rute sind für mich verschiedene Kriterien entscheidend. Ein wesentlicher Aspekt ist das Gewicht. Als Spinnfischer habe ich das Gerät schließlich den ganzen Tag in der Hand und da merkt man dann schon, ob eine Gerte 250 Gramm oder 500 Gramm wiegt. Die Angeltechnik und die Zielfische haben natürlich auch Einfluss auf die letztendliche Entscheidung. Gerade was die beangelten Fische angeht soll die Rute ausreichend Reserven haben, um auch den Drill eines kapitalen Räubers erfolgreich abschließen zu können. Was aber sind ausreichende Reserven? Was kann so eine Rute tatsächlich und wo liegen die Grenzen?
Einen eindrucksvollen Beweis davon wie belastbar eine moderne Rute ist, habe ich im Mai 2006 erhalten. Es ging auf Tarpon nach Kuba. Auf Empfehlung erfahrener Revierkenner habe ich meine 2,70m ASPIRE, 100 Gramm Wurfgewicht mit eingepackt. Zugegeben: Nicht ohne erhebliche Zweifel, ob die Rute das tatsächlich mitmacht. Schließlich angele ich hier damit auf Hecht…!
Angelkollege Frank Beissel hatte die gleiche Wahl getroffen und so standen wir gemeinsam im Boot vor der Atlantikküste Kubas und versuchten unser Glück. Um die Geschichte kurz zu halten: Wir fingen diverse Tarpons bis zu einem Gewicht von 90 Pfund. Die Biegekurven der Gerten hatten dabei Dimensionen, wie wir sie in einheimischen Gewässern noch nie erlebt hatten. Doch Fakt war, dass die ASPIRE jeden Drill mit Bravour meisterte und auch bei den großen Schuppenträgern noch weitere Reserven hatte. In keinem Fall hatten wir das Gefühl, den Kampf mit dem Fisch aufgrund zu schwachen Gerätes unnötig in die Länge zu ziehen. Bei jedem Fisch freuten wir uns darüber, dass wir uns für das leichte Geschirr entschieden hatten und die Drills so noch intensiver erleben konnten. Insgesamt leisteten die Ruten ganz erheblich mehr als wir ihnen zunächst zugetraut hatten. Ruckfrei arbeitende Bremsen, Qualitätsschnur und hochwertige „Kleinteile“ wie Wirbel und Sprengringe sind dabei natürlich Voraussetzung und bilden so gesehen mit der Rute eine Einheit.
Nach diesem Erlebnis habe ich meine Ausrüstung konsequent daraufhin überprüft, ob es nicht eine Nummer leichter geht. Dünnere Ruten, weniger Wurfgewicht und leichtere Materialien bedeuten weniger Ballast und letztlich angenehmeres, konzentrierteres und somit auch erfolgreicheres Angeln.
Ein kräftiges „Petri Heil“ wünscht Euch
Jürgen Haese |
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